Hannis Geschichte

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Aus dem Alltag unserer Beratungsstellen

Ein Gefühl der Ohnmacht

Teil 2 der Geschichte von Hanni F.

Hanni sitzt in ihrem kleinen Wohnzimmer und starrt auf die Wanduhr: 15:30 Uhr. Irgendetwas ist heute. Oder war das gestern? Sie geht in die Küche, wo ihr Kalender hängt. „Freitag, 3. Mai“ steht dort in ihrer Handschrift. Dick umrandet, ein Name: „Lukas“. Ihr wird flau. Lukas ist ihr 8-jähriger Enkel. Sie sollte ihn heute aus der Schule abholen. Das hat sie vergessen. Da klingelt auch schon ihr Telefon. Es ist ihr Sohn und der ist wütend. „Wie kannst du Lukas einfach vergessen? Weisst du eigentlich, wie lange er vor der Schule auf dich gewartet hat?“

Hanni sucht nach einer Ausrede und stammelt etwas von „viel im Kopf“. Ihr Sohn lässt jedoch nicht locker. Er spricht vom verpassten Arzttermin letzte Woche und von anderen Verabredungen, die sie nicht eingehalten habe. „Du bist nicht mehr die alte, mir bekannte Mama.“
Diese Worte treffen sie. Denn sie macht sich schon länger Sorgen, dass etwas mit ihr nicht stimmen könnte. Sie beschliesst, schnellstmöglich ihren verpassten Arzttermin nachzuholen.

Einige Tage später sitzt sie bei ihrer Ärztin. Erleichterung durchströmt sie, als diese ihr mitteilt, dass sie keine Anzeichen für eine demenzielle Erkrankung erkennen kann. Das war Hannis grösste Angst. „Wie geht es Ihnen sonst so, Frau Frei?“ Hannis Augen füllen sich mit Tränen, als sie der Ärztin von dem beklemmenden Gefühl der Einsamkeit erzählt, welches sie schon länger belastet. Sie wohnt seit einem halben Jahr bei ihrem Sohn und ihrem Enkel im Haus, fühlt sich aber dennoch einsam. Die Wege, um alte Bekanntschaften zu besuchen, sind ihr zu aufwendig und zu anstrengend. In der neuen Umgebung hat sie noch niemanden kennengelernt. Dazu kommt, dass die Erwartungen   ihres Sohnes sie belasten. An drei Nachmittagen in der Woche passt sie auf ihren Enkel auf und an jedem zweiten Wochenende ist sie für seine Nachtruhe verantwortlich. Sie muss sich eingestehen, dass ihr das zu viel ist. Ausserdem hat der Gedanke an eine mögliche Demenzerkrankung ihr Angst gemacht. Was würde es für ihre Zukunft bedeuten, wenn sie einer schweren Krankheit ausgeliefert wäre? Schmerzvoll erinnert sie sich zurück an die Zeit, als ihr Mann schwer krank und ans Bett gebunden von ihr gepflegt wurde. Sie will auf keinen Fall, dass sich dies bei ihr wiederholt.
Die Ärztin hört verständnisvoll zu. Sie gibt ihr den Rat, mit ihrem Sohn offen über ihre Bedürfnisse und die  aktuelle Situation zu sprechen. Ausserdem gibt sie ihr eine Broschüre der Sozialberatung von Pro Senectute mit. Dort soll sie sich doch einmal zum Thema Vorsorge, insbesondere zu einer Patientenverfügung, beraten lassen.

Am Abend spricht sie mit ihrem Sohn. Sie erzählt ihm von ihrem Arztbesuch, ihrer Belastung, ihrer Angst noch mehr zu vereinsamen und eines Tages pflegebedürftig zu werden. Wer würde dann über sie entscheiden? Sie zeigt ihrem Sohn die Broschüre von Pro Senectute Thurgau und erzählt vom Rat der Ärztin, eine Patientenverfügung zu erstellen.
Er zeigt sich erleichtert, dass seine Mutter sich öffnet und sich helfen lassen will. Gemeinsam vereinbaren sie einen Termin bei der Sozialberatung von Pro Senectute. Mit Unterstützung des Sozialarbeiters verfassen sie eine Patientenverfügung und einen Vorsorgeauftrag. Mit diesen Dokumenten kann sie alles regeln, was ihr wichtig ist. Weiter kann sie festhalten, dass ihr Sohn alle Angelegenheiten für sie bestimmen soll, falls sie dazu einmal nicht mehr in der Lage ist. In der Patientenverfügung legt sie genau fest, wie weit eine     Behandlung im Sterbeprozess gehen darf.
Der Sozialarbeiter sieht noch mehr Potenzial, um Hannis Situation zu verbessern. Gemeinsam mit dem Sohn vereinbaren sie, die Belastung durch die Betreuung des Enkels zu reduzieren und dass er ihr hilft, Bekanntschaften in der neuen Umgebung zu schliessen. 
Ein paar Wochen später geht es Hanni besser. Sie hat neue Menschen kennengelernt und fühlt sich nicht mehr so einsam. Die Beratung bei Pro Senectute
Thurgau hat sie beruhigt und ihrem Sohn geholfen, Hannis Situation besser zu verstehen.

  

Hinweis: Diese Geschichte beruht auf wahren, zusammengefügten Begebenheiten und Erfahrungen aus dem Alltag unserer Beratungsstellen.

Pro Senectute bietet Unterstützung in vielen Formen. Passend zu Ihren Lebensumständen finden wir Lösungen.

Hilfen- und Beratungsangebot von Pro Senectute Thurgau